Institut für Werkstoffwissenschaft und Werkstofftechnologie
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Institutsexkursion 2016

Die diesjährige Institutsexkursion führte uns am 18. Mai zuerst nach Marktl im Traisental zu Neuman Aluminium. Dort wurden wir vom CEO Dr. Gerhard Anger herzlich begrüßt und in einem Einführungsvortrag die Geschichte und das Tätigkeitsfeld von Neuman Aluminium nähergebracht. Seit 1780 gibt es in Marktl eine Metallverarbeitende Industrie. Im Jahre 1880 wurde die Fried v. Neumann gegründet, die im Jahr 1981 vom Unternehmer Dr. Grupp übernommen wurde. An neun Standorten weltweit werden pro Jahr etwa 90.000 t Aluminium pro Jahr verarbeitet. Die Stärke von Neuman Aluminium ist dabei die voll integrierte Wertschöpfungskette.

 

 

Etwa 55% des Umsatzes wird mit dem Automotive Sektor als TIER 1- und TIER 2-Lieferant erwirtschaftet. Weitere 25% im Verpackungssektor, wo hauptsächlich Aerosoldosen produziert werden. Weitere Absatzmärkte sind die Bauwirtschaft und der Maschinenbau.

 

 

 

In einem 16 t Schmelzofen wird die Legierung festgelegt, in den beiden Gießöfen mit je 5,5 t Fassungsvermögen mit Argon der verbleibende Wasserstoff entgast bevor dann ein Blech hergestellt wird.

 

 

 

Das Blech wird in Rollen zu den Stanzmaschinen weitertransportiert, wo die Butzen für die Weiterverarbeitung im Fließpress-Werk hergestellt werden. Mit Kniehebelpressen und hydraulischen Anlagen werden aus den Butzen fertige Teile oder Rohlinge zum weiterbearbeiten. Mit der richtigen Wärmebehandlung der Aluminiumlegierung kann Neuman Aluminium die gewünschten Festigkeitseigenschaften einstellen.

 

  

 

Im Strangpresswerk werden aus den 6 m langen Aluminiumstangen komplizierte Voll- und Hohl-Profile gepresst. Dafür werden die Stangen vorgewärmt und abgelängt, mittels Induktion weitererwärmt und dann in einer Presse, die mit bis zu 2500 Tonnen drücken kann, durch die Matritzen gepresst. Unglaublich beeindruckend!

 

 

 

Nach den Rundgängen in den Werkshallen wurden wir mit einem Snack gestärkt und brachen auf zum Akw Zwentendorf.

 

Nach der Begrüßung durch Mitarbeiter der EVN konnten wir uns in einem Video, welches den Bau des „sichersten Atomkraftwerkes der Welt“ dokumentierte, auf die Führung durch sonst nicht zugängige Bereiche eines Akw freuen.

 

 

 

Geschichtliches:

Nach der Genehmigung wurde am 4. April 1972 der Spatenstich zum ersten von insgesamt drei geplanten Atomkraftwerken in Österreich gefeiert. Nach einer Bauzeit von nur vier Jahren konnte mit dem Probebetrieb des Kraftwerkes mit einer Leistung von 730 MW begonnen werden, jedoch wurde zuerst für zwei Jahre durch elektrisch produzierten Dampf die Anlage überprüft.

Die Gegenbewegung zur Atomkraft wurde jedoch immer größer und so kam es im Jahr 1978 zur Volksabstimmung. Die Regierung rund um Bruno Kreisky hatte jedoch nicht mit einem negativen Ergebnis gerechnet. So wurde mit einer Differenz von nur etwa 30.000 Stimmen gegen das Akw die Inbetriebnahme verhindert. Das „Atomsperrgesetz“ wurde noch im selben Jahr beschlossen und somit der Grundstein für ein Atomkraft freies Österreich gelegt. Spätestens nach der Katastrophe von Tschernobyl waren auch viele vorherige Befürworter froh über diese Entscheidung.

Bis dahin kosteten der Bau und der Konservierungsbetrieb rund eine Milliarde Euro. Die rund 200 Mitarbeiter, welche bereits beschäftigt waren fanden zum Teil in anderen Bereichen der Energiewirtschaft, bzw. in Akw in Deutschland einen Arbeitsplatz. Die Verwertungsgesellschaft schaffte es einen Teil der Technik an baugleiche Akw zu verkaufen du so diente das Akw Zwentendorf viele Jahre als Ersatzteillager.

Im Jahr 2005 wurde das Kraftwerk von der EVN gekauft. Damit verbunden sind auch die Genehmigungen, die es der EVN jederzeit leicht ermöglichen könnten, ein anderes Kraftwerk an diesem Standort zu errichten. Jährliche Besucherzahlen von etwa 12.000 Personen und die Möglichkeit Schulungen abzuhalten machen die Baulichkeiten derzeit doch noch interessant.

 

 

 

Nachdem uns die Abläufe der Angestellten erklärt würde konnten wir den Kontrollraum besichtigen. Das rote Telefon wurde übrigens für Filmzwecke erst später eingebaut, während das rot weiß rote Telefon tatsächlich eine direkte Verbindung zur Bundesregierung hatte.

 

 

 

Eine der drei geöffneten Niederdruckturbinen und der Blick von oben in den Reaktorraum beeindrucken doch sehr.

 

 

 

Im Maschinenraum würde der überhitzte Dampf von einer Hochdruckturbine und drei Niederdruckturbinen entspannt werden. Die Kondensation hätte das Kühlwasser aus der Donau übernommen. Unter dem Reaktorraum befinden sich die Steuerstäbe welche im Normalbetrieb elektrisch eingefahren werden. Im Störfall könnten Sie jedoch auch hydraulisch innerhalb von nur 2 Sekunden zwischen die Brennelemente „eingeschossen“ werden.

 

 

 

Nach der Führung und einem Gruppenfoto brachen wir weiter auf nach Dürnstein um nach dem doch sehr dicht gepackten Programm nun noch ein wenig Naturgenuss in der Wachau zu erleben.

Der kurze Aufstieg von etwa 20 Minuten zur Burgruine Dürnstein bescherte uns einen wunderbaren Ausblick. Zum historischen Hintergrund der Burg und des Ortes wurde uns von Dagmar ein geschichtlicher Überblick gegeben. So wurde beispielsweise Richard Löwenherz um 1193 hier gefangen gehalten und für ein Lösegeld von 23 t Silber wieder freigelassen.

 

   

 

Nachdem wir nun doch etwas erschöpft wieder in den Ort Dürnstein zurückkehrten wurden wir sogleich im „Alter Klosterkeller“ herzlichst empfangen und bewirtet. Bei geselliger Stimmung konnten wir uns kulinarisch verwöhnen lassen und traten so wieder gestärkt und fast pünktlich die Heimreise nach Wien an.